Tipping-Point in der Arktis: Stickstoff verschwindet

Schottische Wissenschaftler entdecken eine signifikante Änderung im Arktis: Die Stickstoff-Verbindungen nehmen rapide ab. Um das Jahr 2009 haben sich die Entwicklungen beschleunigt.

Eigentlich sollte es mehr, und nicht weniger Stickstoff in der Arktis geben – der rasante Rückzug der vereisten Flächen sollte zu einer Zunahme der Stickstoff-Verbindungen führen. Aber ein Team von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern um Marta Santos-García (Universität Edinburgh) fand genau das Gegenteil heraus.

Meereis-Konzentration hat sich halbiert

In der Analyse der Daten, die bis 1998 zurückreichen, in der Fram Straße (wo Arktischer Ozean und Nordatlantik (zwischen Grönland und Norwegen) zusammenkommen) zeigt sich, dass sich die Abnahme des Stickstoffverlusts nach 2009 verstärkt und beschleunigt hat.

Im September hat sich seit 1990 die Konzentration des Meereises vor der Küste Sibiriens und Alaskas halbiert. Eisfreie Sommer werden vermutlich ab 2050 zu einer Realität.

Eis hält 2,7 Jahre

2007 kam es dazu, dass nicht mehr dickeres und deformierte Eismassen vorhanden waren, sondern dünneres und gleichmäßigeres Eis. Parallel dazu verkürzte sich die durchschnittliche Verweildauer des Eises von 4,3 auf 2,7 Jahre. Längere eisfreie Perioden und die höhere Einstrahlung führte dazu, dass sich Phytoplankton ausbreitete.

Als das Plankton dann abstarb, wurde bei der Zersetzung Sauerstoff verbraucht, Mikroorganismen wandelten Nitrat in Stickstoffgas um, das aus dem Ozean entweicht; dieser Prozess, der zum Abbau des Stickstoffs führt, läuft vor allem in den küstennahen Regionen ab, über denen das Wasser nur ein paar Dutzend Meter liegt. Derart seichte Gebiete machen 52,7 % des Arktischen Beckens (und ein Fünftel der globalen Schelffläche) aus.

Kipppunkt im Jahr 2009

Darüber hinaus zeigte sich, dass nach 2009 Stickstoff-Konzentrationen nur noch halb so hoch gewesen sind als in der Zeit vor 2009, „wobei die Werte immer häufiger gegen Null gehen“, heißt es in der Studie. Und: „Bis heute haben sie sich nicht erholt.“

Das Wachstum des Phytoplanktons sank zwischen 2009 und 2018 um 44% in der Ostsibirischen See, um 113 % in der Laptewsee (vor Mittel-Sibirien) und um 66% in der Kara-See (West-Sibirien) ab. Diese Entwicklung wird von den Forschenden als praktisch nicht reversibel geschildert. Sie sehen die Entwicklung 2008 und 2009 als „Kipppunkt“. Ohne Zweifel mit nachhaltigen Folgen für Flora und Fauna; und natürlich auch für das Klima.


Mehr:

Newsletter

Wir versenden keinen Spam. Der Newsletter wird verschickt, wenn auf news330 neue Beiträge erschienen sind. Der Bezug des Newsletters ist gratis und kann jederzeit gestoppt werden.

WER & WARUM

rss feed

https://news330.earth/feed - diesen link kopieren, im feed-reader aufrufen und abonnieren - so versäumst Du keinen Artikel!

Archiv