In den meisten deutschen Städten ist es um den Grünraum nicht gut bestellt. Zu diesem Schluss kommt der „Hitze-Check 2026“, den die „Deutsche Umwelthilfe“ erstellt hat.
Es sind lediglich sieben von insgesamt 195 deutschen Städten, in denen mehr als 30 Prozent Baum-Beschirmung erreicht werden. Diesbezüglich am besten schneiden diese Städte ab (detaillierte Auswertung und weiterführende links am Ende des Artikels):
- Potsdam (Grün-Beschirmung von 33,80%)
- Oldenburg (32,33%)
- Berlin (32,07%)
- Kiel (31,9%)
- Hamburg (30,99)
- Wuppertal (30,73%)
- Solingen (30,55%)
Um eine klare Abgrenzung zum ländlichen Raum sicherzustellen, wurden in die Auswertung nur urbane Zentren mit mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in die Auswertung aufgenommen. Die Daten stammen von öffentlich zugänglichen Datenbanken und wurden teilweise mit Künstlicher Intelligenz aufbereitet. Zudem wurde Material von Sentinel-2-Satellitendaten des EU-Erdbeobachtungsprogrammes Copernicus verwendet. In einer Aussendung der DUH heißt es, dass „hochaufgelöste, luftbildbasierte Höhenmessungen der Vegetation in Städten als Referenz für das Grünvolumen dienen; Bevölkerungszahlen basieren auf dem Zensus 2022“.
Hohe Hitze-Betroffenheit
In die Auswertung wurde auch ein „Hitze-Betroffenheits-Index“ (HBI) errechnet. Die Flächenraster dafür sind 100 mal 100 Meter groß – ausgewertet wurden dabei die Oberflächentemperatur, das Ausmaß der Versiegelung, das Grünvolumen und die Bevölkerungsdichte. Die Werte dieser vier Indikatoren werden jeweils mit dem deutschlandweiten Mittelwert bewohnter Flächen verglichen.
Das Grünvolumen wiederum gibt die Vegetation in Kubikmetern pro Quadratmeter Fläche an – wobei Wald durchschnittlich eine Kubatur von acht m³ hat, eine Wiese dagegen nur eine von einen m³. Als Baum-Beschirmung wird Baum-Bedeckung mit Vegetation von mehr als 2,5 Metern Höhe definiert.
Bereits die dritte Erhebung
Die Deutsche Umwelthilfe führt den Hitze-Check bereits zum dritten Mal durch. Beim ersten, 2024, standen Versiegelung und das vorhandene Grünvolumen im Mittelpunkt. 2025 wurde der Fokus auch stark auf Umweltgerechtigkeit gerichtet. Im Raster von 100 mal 100 Metern konnte dichte Bebauung und fehlendes Stadtgrün analysiert werden. Die Auswertung ergab im Vorjahr, dass zwölf Millionen Menschen in Stadtteilen leben, die von extremer Hitze betroffen sind. 2026 werden nun weitere Daten in diese Analyse eingeflochten.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, meint zum Ergebnis: „Während wir in diesem Jahr bereits im Mai die ersten extremen Hitzetage erlebt haben, schaut die Bundesregierung dieser Entwicklung tatenlos zu. Wir machen den Hitze-Check inzwischen zum dritten Mal, weil wir Politikerinnen und Politiker wachrütteln müssen. Die Bauministerin treibt mit ihrer Politik des Neubau-Wahns die Flächenversiegelung massiv voran.“
„Menschenfeindliche Betonwüsten“
Metz kritisiert außerdem, dass in den untersuchten Städten in den vergangenen sieben Jahren nahezu eine Million Bäume verschwunden sind. Diese Tatsache lässt sich nicht schnell wieder umkehren, denn Bäume brauchen Zeit, um zu wachsen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, leben wir in wenigen Jahren in menschenfeindlichen Betonwüsten. Bäume sind unsere grünen Lungen.“
„Wir fordern von der Bauministerin verbindliche Vorgaben für die Entsiegelung, mehr Stadtgrün und damit mehr Schatten – bei jeder Sanierung, jedem Straßenumbau und jedem Bauprojekt. Es ist erschreckend, mit welcher Ignoranz gegenüber der Realität von Hitzetoten, überhitzten Innenstädten und gesundheitlichen Risiken noch immer Politik gemacht wird. Das muss sich sofort ändern.“
„Mehr Bäume, mehr Schatten, mehr Lebensqualität“
Heinrich Strößenreuther, Gründer und Vorstand von „BaumEntscheid e.V.“: „Der Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe macht sichtbar, was wir in Berlin täglich erleben: Der grüne Hitzeschutz durch Bäume schwindet.“ Er betont aber, dass „wir mit unserem erfolgreichen Volksentscheid bewiesen haben, dass Bürgerinnen und Bürger das ändern können: Parteiübergreifend und einstimmig wurde das erste per Volksentscheid erkämpfte Klimaanpassungsgesetz Deutschlands beschlossen, das die 3-30-300-Regel gesetzlich umsetzt und für eine Million Straßenbäume und 4.000 Miniparks sorgt.“ Ziel sei: „Mehr Bäume, mehr Schatten, mehr Lebensqualität.“
Annett Frick, Bereichsleitung Fernerkundung bei der LUP (Luftbild Umwelt Planung GmbH): „Dank hochaufgelöster Satellitendaten können wir den Baumbestand in Städten flächendeckend abschätzen. Diese Information zeigt, wo Bäume bereits wirksam zur Kühlung und zum thermischen Komfort beitragen. Durch die wiederholte Auswertung über die Zeit lässt sich zudem nachvollziehen, wie sich das städtische Grün entwickelt und welchen Beitrag es zur Wärmeentlastung der Bevölkerung leistet.“
Die umweltfreundliche Stadtplanung hat die Formel 3-30-300 entwickelt. Sie soll sicherstellen, dass jede Stadtbeweohnerin und jeder Stadtbewohner von zu Hause aus zumindest drei Bäume sehen soll, in einem Stadtviertel mit 30 Prozent Baum-Beschirmung leben und die Entfernung zur nächsten Grünfläche soll nicht weiter als 300 Meter entfernt sein.
Detailliertere Auswertungen
In der Gesamtbewertung aller Faktoren (Beschirmung, Versiegelung, Baumverlust und Hitzebetroffenheit) schneiden
- Offenburg,
- Lahr und
- Mannheim am schlechtesten, und
- Kiel und
- Wuppertal am besten ab.
Mit weniger als 20% Baum-Beschirmung weist die DUH-Bewertung diese 38 Städte aus:
| Offenburg (12,78%) | Schwäbisch Gmünd (17,55%) | Freiburg im Breisgau (18,72%) | Neuwied (19,15%) |
| Lahr (13,97%) | Böblingen (17,85%) | Eschweiler (18,73%) | Heidelberg (19,21%) |
| Mannheim (14,14%) | Waiblingen (17,87%) | Karlsruhe (18,74%) | Langenhagen (19,31%) |
| Ludwigshafen/Rhein (15,77%) | Bad Kreuznach (17,92%) | Grevenbroich (18,74%) | Pforzheim (19,32%) |
| Rastatt (15,81%) | Esslingen/Neckar (17,99%) | Rüsselsheim/Main (18,82%) | Aschaffenburg (19,59%) |
| Worms (15,91%) | Fürth (18,10%) | Kerpen (18,97%) | Koblenz (19,59%) |
| Aalen (16,31%) | Nürnberg (18,19%) | Heidenheim an der Brenz (18,98%) | Düren (19,66%) |
| Neu-Ulm (16,36%) | Euskirchen (18,26%) | Ulm (19,01%) | Bamberg (19,76%) |
| Dormagen (17,04%) | Lörrach (18,68%) | Rosenheim (19,15%) | Langenfeld (19,85%) |
| Heilbronn (17,53%) | Bergheim (19,95%) |
Der Versiegelungstrend im Vergleich von 2018 und 2025 mit mehr als einem Prozent
- Wesel (1,25%)
- Rheine (1,25%)
- Paderborn (1,10%)
- Unna (1,10%)
- Hilden (1,06%)
- Salzgitter (1,04%)
- Schweinfurt (1%)
Der Baumverlust in absoluten Zahlen (im Vergleich von 2018 und 2025)
- Berlin (57.157)
- Hamburg (43.157)
- Duisburg (22.058)
- Bremen (19.714)
- Köln (19.548)
- Dresden (16.021)
- Leipzig (17.732)
- Dortmund (15.626)
- München (15.329)
Mehr:
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- web-link Initiative Baumentscheid



























































