Ein einziges verheerendes Unwetter in Indonesien hat mehr als ein Zehntel einer Orang Utan-Population getötet. Klimawandel hat die Schwere des Unwetters deutlich verstärkt.
Schwerwiegende Folgen für die Biodiversität hat ein mehrere Tage andauernder, heftiger Regen über der zu Indonesien gehörenden Insel Sumatra. Dort gibt es drei Populationen von Tapanuli Orangutan, die 2017 als eigene Art anerkannt worden sind. Es ist die bisher älteste Orang Utan – Art. Mit weniger als 1000 Individuen ist sie auch die seltenste. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die drei Populationen keinen Kontakt zu einander haben.
Zerstörung auf 8.300 Hektar
Das Unwetter im November des Vorjahres ging über dem Westen von Batang Toru nieder. Der Zyklon „Senyar“ hatte verheerende Folgen – Erdrutsche waren die Folge. Es dürften mehr als 8.300 Hektar Wald zerstört worden sein.

Wissenschafterinnen und Wissenschafter britischer, deutscher, niederländischer, indonesischer Forschungseinrichtungen und von World Weather Attribution am Imperial College in London haben Satellitenbilder ausgewertet. Ihre Arbeit wurde in „Current Biology“ veröffentlicht.
Festgestellt wurde, dass 11,7 Prozent der Fläche im Westteil von Batang Toru weitgehend zerstört worden sind. Auch bei den Orang Utans dürfte der Verlust erheblich gewesen sein – 11 % der Tiere, die der westlichen Population angehören, und etwa sieben Prozent der Gesamt-Population dieser Tiere in allen drei Habitaten.
Die Zahl der getöteten Groß-Affen wird auf 58 Individuen geschätzt. Die Schwankungsbreite wird mit „18 bis 120“ angegeben. Die Muster der Erdutsche deuten darauf hin, dass sie in sehr kurzer Zeit sehr destruktiv gewirkt habe. Das habe den Groß-Affen geringe Chancen gelassen, sich aus den Erdmassen zu befreien.
„Schnell und extrem zerstörerisch“
Professor Dave Petley, Erdrutschforscher an der Nottingham Trent University: „Es handelt sich um flache, schnell ablaufende Erdrutsche, die durch Starkregen ausgelöst werden. Da die Schuttströme direkt mit dem Flusssystem verbunden sind, ist der Erdrutsch schnell und extrem zerstörerisch.“
Im Bericht heißt es dazu, dass die Angaben zu den Verlusten eher „konservativ“ sei, zumal damit zu rechnen sei, dass der Baumbestand, der von den Erdrutschen nicht zerstört worden ist, Schäden bis in die Baumkronen davongetragen haben kann, sodass herabfallende Äste die Tiere getötet haben könnten. Und: Orang Utans könnten verhungert sein, weil sie keine Nahrung finden konnten.
Professor Erik Meijaard, leitender Wissenschaftler bei „Borneo Futures“: „Dieser Verlust ist beträchtlich für eine Art mit einer so kleinen Gesamtpopulation. In Verbindung mit anhaltenden Belastungen wie Lebensraumzerstörung und Mensch-Wildtier-Konflikten unterstreicht dies die Dringlichkeit, einen koordinierten Aktionsplan für die Art umzusetzen und ausreichend zu finanzieren.“

Jatna Supriatna, Professor für Biologie an der Universitas Indonesia, meint: „Ein verheerender demografischer Schock für den seltensten Menschenaffen der Welt. Um das erste Aussterben einer Menschenaffenart in der Neuzeit zu verhindern, muss Indonesien das Batang-Toru-Ökosystem dauerhaft schützen.
Unsere internationalen Partner müssen aber auch ihren globalen Verpflichtungen nachkommen und unverzüglich Finanzmittel für die Wiederherstellung der Biodiversität bereitstellen.“
Otto: „Um bis zu 50 Prozent erhöhte Intensität“
Professorin Friederike Otto, Professorin für Klimawissenschaften am Imperial College London, sagt: „Diese Studie zeigt eindrücklich, wie eng die Krisen des Klimawandels und des Biodiversitätsverlusts miteinander verknüpft sind. Indem der vom Menschen verursachte Klimawandel die Niederschlagsintensität des Zyklons Senyar um bis zu 50 % erhöhte, verwandelte er einen schweren tropischen Sturm in einen katastrophalen Auslöser für diese Erdrutsche.“
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